Fördervereine sind an vielen Schulen und auch im vorschulischen Bildungsbereich in Baden-Württemberg eine unverzichtbare Stütze im Schul- und Kita-Alltag. Sie unterstützen finanziell aber auch durch ihre Zeit und ihre Tatkraft. Vielfältige Angebote, u.a. im Bereich Betreuung, Projektförderung, Unterstützung von Schülerinnen und Schülern in besonderen Bedarfslagen, Lese- und Sprachförderung oder Hofgestaltung, wären ohne die engagierte Hilfe von Freiwilligen meist nicht umsetzbar. Wir möchten auf unserem Blog einige dieser tollen Projekte vorstellen und der Öffentlichkeit zeigen: Ohne Schul- und Kitafördervereine würde manches an der Schule und in Kitas nicht funktionieren - Ehrenamt macht tatsächlich Schule - und Kita!
Viel Freude beim Lesen!
Reportage: Unterwegs in Ingelfingen
Die Fotografin Venera Redzepi steigt mit Kamera und Stativ ins Auto, die Thermoskanne klappert beim Anfahren im Becherhalter. Gemeinsam mit Philipp Engelhardt vom Landesverband der Schul- und Kitafördervereine will sie heute Fotos von zwei tollen Fördervereinen schießen und sich ein Bild von der Vereinsarbeit vor Ort machen. Ziel: Ingelfingen.
Der Nebel hängt über der Autobahn, als wir kurz vor acht Uhr losfahren.
„Wenn das so bleibt, brauch ich heute fast Nachtsichtmodus für die Kamera“, sagt Venera und schaut in den Nebel. „Wart’s ab“, antwortet Philipp, „der Nebel ist schneller weg, als man denkt.“
Und richtig: Ein paar Kilometer hinter Stuttgart reißt der Himmel langsam auf. Freie Sicht auf Autobahn und auf das, was Engagement vor Ort bewirken kann.
Es ist kurz vor zehn Uhr, als wir in Ingelfingen ankommen. Die Georg-Fahrbach-Schule liegt still im Morgenlicht. Vor dem Eingang wartet Christine Frank, Vorsitzende des Schulfördervereins. Sie begrüßt uns freundlich und führt uns hinein. „Kommen Sie – im Sekretariat wartet schon die Schulleitung.“
Als wir durch Treppenhaus und Gänge der Schule laufen, scheint die Sonne hell durch die Fenster, niemand zu sehen, irgendwo knallt eine Tür. Doch die meisten Schüler und Schülerinnen befinden sich natürlich im Klassenzimmer und haben Unterricht. Dr. Joachim Schroth, der neue Schulleiter, begrüßt uns gemeinsam mit Tanja Truetsch, seiner Stellvertreterin. „Schön, dass Sie da sind“, sagt er. „Wir freuen uns, dass unser Förderverein einmal zeigen kann, was er so leistet.“
Und schnell wird klar: Hier arbeiten Schule und Förderverein Hand in Hand. Christine Frank lächelt: „Ohne diese Zusammenarbeit wäre vieles nicht möglich.“
Bei unserem Rundgang durch die Schule begleiten uns Achim Gröger, Kassierer des Vereins und Mathias Weber, Lehrer an der Georg-Fahrbach-Schule und ebenfalls im Förderverein aktiv. „Das macht vieles leichter“, sagt Christine Frank. „Wenn jemand aus dem Kollegium im Verein mitarbeitet, ist die Abstimmung viel einfacher.“
Neun Kinder haben Lust bei den Fotoaufnahmen von Venera dabei zu sein. Und Paul, Laura, Mila & Co zeigen uns auch gleich, was der Verein alles ermöglicht: den neuen Wasserspender, moderne Schulboards, Sportgeräte und nicht zu vergessen: Bücher für die Schulbibliothek.
„Uns ist wichtig“, sagt Frau Frank, „dass neben den vielen Aktionen und Veranstaltungen, die wir organisieren, auch Dinge entstehen, die bleiben. Dinge, von denen die Kinder, die da sind und die, die noch kommen, etwas haben.“
Selbst hat Christine Frank schon seit drei Jahren kein Kind mehr an der Schule. Aber die Lust aufs Engagement hat sie dadurch nicht verloren. Sie ist schon seit 2007 hier im Förderverein tätig.
Ihr Verein organisiert gemeinsam mit der Schule den jährlichen Weihnachtsmarkt, der 2025 bereits zum fünften Mal stattfindet. Er unterstützt außerdem Präventionsveranstaltungen für die Schülerinnen und Schüler, etwa Workshops zu Mobbing und Selbstbehauptung, und bietet regelmäßig Erziehungsvorträge für Eltern an.
Das Engagement wird bei weiteren großen und kleinen Vorhaben sichtbar: von Einschulungsgeschenken für die Erst- und Fünftklässler bis hin zu Anschaffungen wie Schul-T-Shirts, einem Nikolauskostüm oder einer neuen Musikanlage.
Um die Schule noch besser zu unterstützen, beschafft der Verein zusätzliche Mittel – zum Beispiel durch einen Eisverkauf auf lokalen Festen wie dem Ingelfinger Weindorf oder bei einem regionalen Marathonlauf. Das bringt Einnahmen für zukünftige Projekte. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Eltern, Schule und Stadt“, erklärt Frank. „Ideen sollen nicht liegen bleiben, sondern umgesetzt werden.“
Wir merken: Das Zusammenspiel funktioniert hier wirklich großartig. Lehrkräfte, Eltern, Kinder – alle wissen, an wen sie sich wenden können – hier wirkt Engagement nicht wie Zusatzarbeit, sondern wie ein selbstverständlicher Teil des Schullebens.
Unsere „Foto-Models“ winken uns, als wir die Schule verlassen. Wir verabschieden uns von Christine Frank, Mathias Weber und Achim Gröger auf dem Hof und springen wieder ins Auto. Der nächste Verein wartet schließlich schon.
Ein kurzer „Boxenstopp“ muss allerdings sein: ein schneller Kaffee und ein kleiner Snack an der Tankstelle – eine Pause, in der wir das Erlebte kurz sacken lassen. Dann geht’s weiter Richtung Criesbach.
Zum Evangelischen Montessori Kinderhaus „Teichmuschel“.
Als wir parken, hören wir schon fröhliche Kinderstimmen aus dem Garten. An der Tür werden wir von der Kinderhausleiterin Miriam Horndacher, Erzieherin Judith Heink und der Vorsitzenden des Fördervereins Diana Schneider begrüßt. Kurz darauf stößt auch Katja Krämer, Kassiererin des Vereins, zu uns, die sich seit vielen Jahren im Förderverein engagiert und das Kinderhaus in- und auswendig kennt.
Im Garten toben Roqia, Elya, Amelie, Emil, Felicitas und Celina zwischen den Spielgeräten. Die Sonne glitzert auf dem neuen Klettergerüst, das – wie wir erfahren – tatsächlich schon vom Preisgeld des Förderpreises angeschafft wurde. Katja Krämer bleibt kurz stehen: „Der Gewinn des Sonderpreises hat uns nochmal darin bestätigt, dass unsere Arbeit wichtig ist und gesehen wird“, sagt sie. Sie betont, dass hier alles gemeinsam entstanden ist, und man merkt ihr an, wie viel Herzblut sie und die anderen in den Verein stecken.
„Bemerkenswert“, denken wir. Der Förderverein des Kinderhauses hat den Sonderpreis 2025 nicht nur für ein gelungenes Projekt, sondern für eine Haltung gewonnen – für ganzheitliche Erziehung und echtes gemeinsames Anpacken, das nachhaltig wirkt.
Und es gibt noch etwas Besonderes: Ohne den Förderverein würde die Einrichtung gar nicht existieren. Ursprünglich war der Bau eines neuen Kindergartens in Ingelfingen geplant – die Kinder aus dem Ortsteil Criesbach hätten dorthin gehen sollen. Doch engagierte Eltern wollten ein eigenes Haus im Ort. Sie gründeten kurzerhand den Förderverein, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sammelten Spenden und ermöglichten so den Bau des Kinderhauses. Das war vor über 30 Jahren. Heute zählt der Förderverein rund 80 Mitglieder – Eltern, ehemalige Eltern und Nachbarn. Das Engagement ist lebendig geblieben.
Venera hebt die Kamera. „Kommt ihr mal? Wir wollen ein Foto auf dem Klettergerüst machen!“ Die Kinder klettern, lachen, winken.
Drinnen ist es ruhig. Auf dem Tisch liegen Montessori-Materialien: viel Holzspielzeug, Würfel, Sortierschalen. Kinder tragen konzentriert Bausteine von einer Ecke in die andere, entscheiden selbst, womit sie sich beschäftigen möchten. Das passt gut zur Montessori-Pädagogik mit ihrem Leitgedanken „Hilf mir, es selbst zu tun“. Kinder sollen ihre Persönlichkeit eigenständig entfalten – in einer Umgebung, die Vertrauen und Selbstständigkeit ermöglicht.
Im Nebenraum steht ein Schlagzeug – ein Geschenk des Fördervereins. Ab und zu gibt es hier Schlagzeugstunden, finanziert aus Vereinsmitteln. Es geht nicht um Leistung, sondern ums Erleben, ums Entdecken der eigenen Möglichkeiten – eben ganz im Sinne Maria Montessoris.
„Zu wissen, dass unser Verein einen maßgeblichen positiven Einfluss hat auf den Kinderhaus-Alltag“, sagt Katja Krämer, „das motiviert uns immer wieder.“ Auch die „Starke KinderKiste“ gehört inzwischen fest zum Alltag. Sie vermittelt spielerisch, wie Kinder ihre Gefühle wahrnehmen und Grenzen setzen können.
Miriam Horndacher erzählt, dass Verein und Kinderhaus-Team eng zusammenarbeiten – bei Festen, bei Neuanschaffungen, bei Ideen. Auf ihrem Schreibtisch liegt ein dicker Aktenordner, prall gefüllt mit Fotos von Montessori-Materialien, Spielgeräten, Musikinstrumenten. „Die öffentlichen Mittel reichen bei Weitem nicht aus für all das“, sagt sie und blättert durch die Seiten. „Diese Anschaffungen sind nur möglich, weil der Förderverein einspringt – und weil so viele Eltern mithelfen.“
Ob Bastelaktionen, Waffelverkauf oder Kinderbetreuung beim Ostermarkt: „Es ist immer jemand da, der mit anpackt“, sagt sie.
Gegen halb vier sitzen wir wieder im Auto, auf dem Rückweg nach Stuttgart. Die Sonne scheint immer noch – es war ein ereignisreicher Ausflug. „Ganz schön eindrucksvoll“, sagt Venera. Philipp nickt.
Die Fotos von diesem Ausflug zeigen es: lachende Gesichter, motivierte Kinder, Zusammenhalt. Zwei Vereine – und ein Beweis mehr, dass Engagement Zukunft baut.
Das Ehrenamt lebt in Ingelfingen und Ingelfingen-Criesbach.















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